Process Map

Visueller Prozessfluss mit Inputs und Outputs je Schritt

Überblick

Eine Prozesskarte (Process Map, Flowchart) bildet einen Ablauf grafisch ab — Schritte, Entscheidungen, Inputs und Outputs werden in einer logischen Reihenfolge dargestellt. Während ein SIPOC nur den Rahmen zeigt, beschreibt die Prozesskarte die tatsächliche Reihenfolge und die Verzweigungen.

Aktivität (Rechteck): Ein einzelner Arbeitsschritt — z. B. „Bauteil messen", „Auftrag eingeben". Aktivitäten verändern den Zustand des Prozesses.

Entscheidung (Raute): Ein Verzweigungspunkt mit Ja/Nein- oder Mehrfach-Antworten. Aus einer Entscheidung gehen mindestens zwei Pfade hervor.

Start- und Endpunkte (Ovale): Definieren den Anfang und das Ende des Prozesses. Eine saubere Karte hat genau einen Start und mindestens einen Endpunkt.

Pfeile (Flussrichtung): Pfeile geben die Reihenfolge vor. Sie sollten ohne Überschneidungen lesbar sein — sonst lieber das Layout neu sortieren.

Swim Lanes: Optionale horizontale oder vertikale Bahnen, die zeigen, welche Rolle, Abteilung oder welches System für einen Schritt verantwortlich ist. Macht Übergaben und Schnittstellen sofort sichtbar.

Prozesskarten existieren in verschiedenen Detailtiefen — von der grob skizzierten High-Level-Karte bis zur detaillierten Standardarbeitsanweisung. Für SIPOC-Kontext reicht „grob", für Standardisierung muss es „detailliert" sein.

Wertschöpfungsklassifikation (VA / BNVA / NVA): Jeder Schritt kann als wertschöpfend (VA), geschäftlich notwendig (BNVA) oder nicht wertschöpfend (NVA) markiert werden. VA-Schritte erzeugen direkten Kundennutzen. BNVA-Schritte sind betrieblich nötig, aber kein Kundennutzen. NVA-Schritte sind Verschwendung und Kandidaten für Eliminierung. Ein Klick auf das Badge wechselt den Typ.

Input-Typ: Prozessparameter (x) vs. Störgröße (n): Jeder Input kann als Prozessparameter (x) oder Störgröße (n) klassifiziert werden. Prozessparameter sind steuerbare Eingangsgrößen — Maschineneinstellungen, Rezepturen, Sollwerte. Störgrößen sind nicht oder schwer kontrollierbar — Umgebungstemperatur, Chargenschwankungen, Bedienerstreuung. Die Unterscheidung hilft bei der späteren DOE-Planung und Ursachenanalyse.

Loops (Rücksprünge): Über das Loop-Symbol in der Kopfzeile eines Schritts kann ein Rücksprung zu einem früheren Schritt definiert werden. Die Bedingung beschreibt, wann der Loop ausgelöst wird (z. B. „Wenn Messung außerhalb Toleranz"). Zusätzliche Loop-Schritte beschreiben Aktionen, die nur im Rücksprungpfad ausgeführt werden. Eine visuelle Klammer am rechten Rand zeigt die Spannweite des Loops.

Vorgehen

  • Zuerst Start und Ende festlegen — was ist der Auslöser, was das Endergebnis?
  • Hauptschritte als Aktivitäten (Rechtecke) eintragen — keine Entscheidungen, nur Ablauf.
  • Verzweigungen als Rauten ergänzen — typischerweise an den Stellen, an denen „es kommt darauf an".
  • Pfeile verbinden — auf konsistente Flussrichtung achten (oben → unten oder links → rechts).
  • Bei Bedarf Swim Lanes für Verantwortlichkeiten einführen.
  • Karte mit den Ausführenden gegenlesen — Was-ist vs. Soll-Zustand klar trennen.

Eine erste Karte zeigt den Ist-Zustand („as-is"). Erst danach wird der Soll-Zustand („to-be") entwickelt — beide Versionen werden für Vorher/Nachher-Vergleiche aufbewahrt.

Stolperfallen

Ist mit Soll vermischt: Wer beim Zeichnen schon „verbessert", verliert die echte Ist-Aufnahme. Erst sauber dokumentieren, was tatsächlich passiert — auch die unschönen Workarounds. Verbessern kommt später.

Übergaben nicht sichtbar: Schwachstellen liegen oft an den Schnittstellen zwischen Abteilungen. Ohne Swim Lanes bleiben diese unsichtbar.

Zu detailreich: Eine Karte mit 200 Schritten liest niemand. Für die DMAIC-Analyse reichen die wesentlichen Schritte; Detail-Standards gehören in eine eigene Standardarbeitsanweisung.

Nur eine Person befragt: Jede Person sieht den Prozess aus ihrer Perspektive. Eine vollständige Karte entsteht nur, wenn alle Beteiligten gehört wurden.

Kein Update nach Änderungen: Prozesse ändern sich — die Karte oft nicht. Eine veraltete Karte ist schlimmer als keine, weil sie falsche Annahmen weiterträgt.

Loops und Endlos-Schleifen: Schleifen ohne Ausgang sind ein Fehler im Diagramm — sie deuten oft auf eine vergessene Entscheidung oder ein fehlendes Endkriterium hin.

Beispieldaten

Dieses Modul wird mit den folgenden Beispieldatensätzen ausgeliefert — mit einem Klick in der App ladbar.

Verfügbar in folgenden Zyklen

  • DMAIC: Measure
  • DMADV: Measure
  • 8D: D2 — Problem beschreiben