Negative Binomialregression

Regressionsmodell für überdispergierte Zähldaten mit Log-Link und negativer Binomialverteilung.

Statusvalidated
Version1.0.0
Minitab-EntsprechungStat > Regression > Poisson Regression (with overdispersion test)

Beschreibung

Die negative Binomialregression erweitert die Poisson-Regression um einen Dispersionsparameter θ, der Überdispersion (Var(Y) > E(Y)) modelliert. Die Varianzfunktion V(Y) = μ + μ²/θ enthält einen quadratischen Term, der die zusätzliche Streuung gegenüber dem Poisson-Modell erfasst. Die Koeffizienten β werden mittels Maximum-Likelihood (IRLS) geschätzt, θ wird simultan über Profile-Likelihood optimiert. Die Exponentialwerte exp(βⱼ) sind als Rate Ratios interpretierbar: Ein RR von 1,5 bedeutet, dass eine Einheitenerhöhung im Prädiktor die erwartete Rate um 50 % steigert.

Formeln

Link
Log-Link-Funktion: Der natürliche Logarithmus des Erwartungswertes ist eine Linearkombination der Prädiktoren
Varianz
Quadratische Varianzfunktion: Die Varianz wächst schneller als der Erwartungswert. Für θ → ∞ konvergiert sie zum Poisson-Fall V(Y) = μ
PMF
Wahrscheinlichkeitsfunktion der negativen Binomialverteilung (NB2-Parametrisierung mit Mittelwert μ und Dispersionsparameter θ)
Log-Likelihood
Log-Likelihood-Funktion der negativen Binomialverteilung, die gemeinsam über β und θ maximiert wird
IRLS-Gewichte
Gewichte für Iteratively Reweighted Least Squares: Kombination aus erwarteter Zählrate und Dispersionskorrektur
θ-Schätzung
Score-Funktion für θ: Lösung mittels Profile-Likelihood unter Verwendung der Digamma-Funktion ψ
Rate Ratio
Rate Ratio: Der Faktor, um den sich die erwartete Rate bei einer Einheitenerhöhung des j-ten Prädiktors ändert
Dispersion
Der Skalenparameter φ ist auf 1 fixiert — die gesamte Überdispersion wird durch θ erfasst, kein zusätzliches Scaling

Annahmen

  • Zielvariable ist Zähldaten (nicht-negative Ganzzahlen)
  • Überdispersion vorhanden: Var(Y) > E(Y)
  • Unabhängigkeit der Beobachtungen
  • Log-linearer Zusammenhang zwischen log(μ) und den Prädiktoren
  • Keine perfekte Multikollinearität

Einschränkungen

  • Die θ-Schätzung über Profile-Likelihood erhöht den Rechenaufwand (äußere Optimierungsschleife)
  • Bei kleinen Stichproben kann die θ-Schätzung instabil sein
  • Nicht geeignet für zero-inflated Daten — hier sollte ein ZINB-Modell in Betracht gezogen werden
  • Konvergenz kann langsamer sein als bei Poisson-Regression, da β und θ gemeinsam geschätzt werden

Referenzen

  • Hilbe, J.M., Negative Binomial Regression, 2nd Ed., Cambridge University Press
  • Cameron, A.C., Trivedi, P.K., Regression Analysis of Count Data, 2nd Ed., Cambridge University Press
  • Lawless, J.F., Negative Binomial and Mixed Poisson Regression, Canadian Journal of Statistics, 1987