Logistische Regression (Binomial GLM)

Modelliert eine binäre Zielgröße (0/1) als Funktion von Prädiktoren mittels logistischer Linkfunktion und IRLS-Schätzung.

Statusvalidated
Version1.0.0
Minitab-EntsprechungStat > Regression > Binary Logistic Regression > Fit Binary Logistic Model

Beschreibung

Die logistische Regression ist ein verallgemeinertes lineares Modell (GLM) mit Binomialverteilung und Logit-Linkfunktion. Die Wahrscheinlichkeit P(Y = 1 | X) wird über die inverse Logit-Funktion modelliert: μ = 1 / (1 + exp(−X'β)). Die Koeffizienten werden iterativ mittels IRLS (Iteratively Reweighted Least Squares) geschätzt, wobei in jedem Schritt gewichtete Normalgleichungen mit den Arbeitsvariablen z und Gewichten w = μ(1−μ) gelöst werden. Die Signifikanz einzelner Koeffizienten wird über Wald-z-Tests geprüft: z_j = β̂_j / SE(β̂_j). Odds Ratios exp(β̂_j) quantifizieren den multiplikativen Effekt eines Prädiktors auf das Chancenverhältnis. Die Modellgüte wird über Devianz, AIC, BIC und Pseudo-R²-Maße (McFadden, Cox-Snell, Nagelkerke) beurteilt.

Formeln

Link-Funktion
Logit-Linkfunktion: Transformation der Erfolgswahrscheinlichkeit μ auf die reelle Achse als Linearkombination der Prädiktoren
IRLS-Gewichte
IRLS-Gewichte: Varianz der Binomialverteilung, verwendet zur iterativen gewichteten Schätzung
Arbeitsvariable
Working Response: linearisierte Pseudo-Beobachtung für den IRLS-Schritt
Fisher-Information
Fisher-Informationsmatrix: Inverse liefert die Varianz-Kovarianz-Matrix der Schätzer
Wald z-Statistik
Wald-z-Statistik: Koeffizient dividiert durch seinen Standardfehler, asymptotisch standardnormalverteilt unter H₀: βⱼ = 0
Odds Ratio
Odds Ratio: multiplikativer Effekt einer Einheitsänderung des j-ten Prädiktors auf das Chancenverhältnis
Devianz
Devianz: Maß für die Abweichung des Modells vom saturierten Modell (je kleiner, desto besser)
AIC
Akaike-Informationskriterium: Modellgüte mit Strafe für Komplexität (p = Parameteranzahl)
McFadden R²
McFadden-Pseudo-R²: Anteil der Log-Likelihood, der durch das Modell erklärt wird (ℓ₀ = Null-Modell)

Annahmen

  • Binäre Zielvariable (0/1)
  • Unabhängigkeit der Beobachtungen
  • Linearer Zusammenhang zwischen logit(π) und den Prädiktoren
  • Keine perfekte Multikollinearität zwischen den Prädiktoren
  • Ausreichende Stichprobengröße (Faustregel: ≥ 10 Ereignisse pro Prädiktor)

Einschränkungen

  • Vollständige oder quasi-vollständige Separation → unendliche β̂-Schätzer und extrem große Standardfehler
  • Nicht geeignet für ordinale oder multinomiale Zielgrößen
  • Empfindlich gegenüber Ausreißern im Prädiktorraum
  • Keine Berücksichtigung von Überdispersion (dafür quasi-binomial oder Beta-Binomial verwenden)

Referenzen

  • Hosmer, D.W., Lemeshow, S., Sturdivant, R.X., Applied Logistic Regression, 3rd Ed., Wiley
  • Agresti, A., Categorical Data Analysis, 3rd Ed., Wiley
  • McCullagh, P., Nelder, J.A., Generalized Linear Models, 2nd Ed., Chapman & Hall