Trends der technischen Evolution (TRIZ)

Acht klassische Evolutionslinien — verorte das System und identifiziere den nächsten Stufensprung

Überblick

Altschullers Patentanalyse zeigt: technische Systeme entwickeln sich nicht zufällig, sondern entlang einer kleinen Zahl wiederkehrender **Evolutionslinien**. Wer das aktuelle System auf diesen Linien verortet, kann mit hoher Trefferquote vorhersagen, wohin die nächste Generation gehen wird.

Das Modul versammelt **acht klassische Trends**. Jede Linie hat klar benannte Stufen — der Sprung zur nächsten Stufe ist eine Innovations-Hypothese, die das Team systematisch prüfen kann.

  • **Aggregation:** Mono → Bi → Poly → integriertes System (z.B. ein Scheinwerfer → Doppelscheinwerfer → LED-Matrix → adaptives Beleuchtungssystem).
  • **Dynamisierung:** starr → gelenkig → elastisch → flüssig → Feld (z.B. Stahlträger → Federelement → Hydraulik → Elektromagnet).
  • **Skala:** Makro → Meso → Mikro → Nano (z.B. mechanische Pumpe → MEMS-Pumpe → molekularer Transport).
  • **Automatisierung:** manuell → mechanisiert → automatisch → autonom (z.B. Drehknopf → Stellmotor → Regler → KI-Steuerung).
  • **Vollständigkeit:** Motor → Übertragung → Werkzeug → Steuerung — das System bekommt nacheinander alle vier Subfunktionen integriert.
  • **Steuerbarkeit:** offene Steuerung → Messung → Anpassung → smart (z.B. fester Vorschub → Vorschubsensor → adaptive Regelung → lernend).
  • **Anpassung an die Nische:** Universal → einstellbar → individuell → selbstadaptierend (z.B. Standard-Schuh → orthopädischer Schuh → Maßschuh → selbstanpassende Sohle).
  • **Ungleichmäßige Entwicklung:** welches Subsystem hinkt nach? Klassisches Bottleneck-Phänomen — eine Komponente bestimmt den Fortschritt des ganzen Systems.

Das achte Element („Ungleichmäßige Entwicklung") ist qualitativ — keine festen Stufen, nur eine Notiz. Es ergänzt die anderen sieben, indem es nach dem **schwächsten Glied** fragt.

Vorgehen

  • System benennen — eine konkrete technische Einheit, kein ganzes Produkt-Portfolio.
  • Jeden Trend durchgehen und das System auf der Stufenleiter verorten. Bei Zweifel die naheliegende Stufe wählen — die Bewertung ist nicht der Punkt, der vollständige Durchgang ist es.
  • Pro Trend eine Notiz zur **nächsten Stufe** schreiben: was würde der Sprung konkret bedeuten? Welche Komponente / welches Verhalten müsste geändert werden?
  • Für den achten Trend (ungleichmäßige Entwicklung) das schwächste Subsystem identifizieren — meist die Komponente, die den Sprung in einem der anderen sieben Trends blockiert.
  • Die so entstandene Liste der „nächste-Stufe-Möglichkeiten" priorisieren (mit anderen TRIZ-Werkzeugen oder schlicht nach Kosten / Wirkung).

Trends können nicht beliebig weit getrieben werden: jede Linie sättigt sich. Ein System auf der höchsten Stufe einer Linie hat in dieser Dimension keine Reserven mehr — der Fortschritt verlagert sich auf andere Trends. Das Erkennen dieser **Sättigung** ist oft wichtiger als der nächste Stufensprung.

Quellen & Weiterlesen

  • G. S. Altschuller: „Erfinden — Wege zur Lösung technischer Probleme" (1973, dt. 1984) — Kapitel zu Gesetzmäßigkeiten der Technik-Entwicklung.
  • D. Mann: „Hands-On Systematic Innovation" — Kapitel „Trends of Evolution" (umfangreichste moderne Aufbereitung).
  • V. Souchkov: „TRIZ Body of Knowledge" — Definition Patterns of Evolution.
  • Y. Salamatov: „TRIZ — The Right Solution at the Right Time" — gut illustrierte Industriebeispiele pro Trend.

Beispieldaten

Dieses Modul wird mit den folgenden Beispieldatensätzen ausgeliefert — mit einem Klick in der App ladbar.

Verfügbar in folgenden Zyklen

  • Im Zyklus DMAIC ohne feste Phase (im „Weitere"-Tile).
  • Im Zyklus DMADV ohne feste Phase (im „Weitere"-Tile).
  • 8D: D5 — Abstellmaßnahmen