SIPOC

Supplier-Input-Process-Output-Customer Diagramm

Aufbau eines SIPOC

Ein SIPOC-Diagramm fasst einen Prozess auf einer Seite zusammen und beantwortet die Frage: Wer liefert was, damit welcher Prozess welche Ergebnisse an welche Kunden liefert? Es besteht aus genau fünf Spalten, die von links nach rechts dem Materialfluss folgen.

S — Suppliers (Lieferanten): Personen, Abteilungen, Systeme oder Unternehmen, die Eingaben für den Prozess bereitstellen. Können extern (Materiallieferant) oder intern (Vorgelagerte Abteilung, IT-System) sein. Frage: Woher kommt das, was wir verarbeiten?

I — Inputs (Eingaben): Alles, was IN den Prozess fließt: Material, Halbzeuge, Daten, Aufträge, Informationen, Energie, Werkzeuge. Inputs sind die Voraussetzungen, ohne die der Prozess nicht starten kann.

P — Process (Prozess): Der eigentliche Ablauf — auf hoher Ebene als 5 bis 8 Hauptschritte. SIPOC ist bewusst grob: Es zeigt das „Was", nicht das „Wie". Detaillierte Abläufe gehören in ein Flowchart oder eine Value Stream Map.

O — Outputs (Ausgaben): Alles, was der Prozess LIEFERT: fertige Produkte, Dokumente, Daten, Entscheidungen, Dienstleistungen — auch unerwünschte Outputs wie Ausschuss, Abfall oder Nacharbeit gehören dazu.

C — Customers (Kunden): Empfänger der Outputs — extern (Endkunde, OEM) oder intern (Folgeprozess, QS, Lager, Buchhaltung). Jeder Output braucht mindestens einen Kunden, sonst ist er überflüssig.

Kurz gesagt: SIPOC ist ein „One-Page-Process" — der schnellste Weg, um ein Team auf einen gemeinsamen Stand zu bringen, bevor detaillierte Analysen beginnen. Es wird in der Define-Phase eingesetzt, typischerweise direkt nach dem Project Charter.

Methodik

Ein SIPOC wird nicht von links nach rechts ausgefüllt, sondern in einer bewährten Reihenfolge, die hilft, den Prozess sauber abzugrenzen und Lücken zu vermeiden.

Empfohlene Reihenfolge

  • 1. Process zuerst: 5–8 Hauptschritte in der mittleren Spalte. Damit ist der Umfang („Scope") fixiert.
  • 2. Outputs: Was liefert der Prozess am Ende? Was geht aus dem letzten Schritt heraus?
  • 3. Customers: Wer empfängt jeden Output? Pro Output mindestens einen Kunden nennen.
  • 4. Inputs: Was wird in den ersten Schritt hineingegeben, damit er starten kann?
  • 5. Suppliers: Wer oder was liefert jeden Input?

Wann einsetzen?

  • Zu Beginn eines Verbesserungsprojekts, um den Prozessumfang abzustecken.
  • Wenn das Team noch kein gemeinsames Bild des Prozesses hat.
  • Als Grundlage für detaillierte Prozessabbildungen (Value Stream Map, Swim Lane).
  • Im Tollgate-Review der Define-Phase als Referenzdokument.
  • Wenn Stakeholder schnell einen Überblick über den Prozess benötigen.

Wann NICHT einsetzen?

  • Wenn ein detaillierter Prozessflussplan mit Entscheidungen und Schleifen benötigt wird — dafür ist ein Flowchart das richtige Werkzeug.
  • Für Prozesse, die bereits gut dokumentiert und verstanden sind — SIPOC bringt hier wenig Mehrwert.

SIPOC folgt auf den Project Charter und liefert Eingaben für die C&E-Matrix (welche Inputs beeinflussen die Outputs?) sowie die Stakeholder-Analyse (wer sind Lieferanten und Kunden?).

Praxisbeispiel

Ein Hersteller von Automobil-Dichtringen stellt fest, dass die Ausschussrate in der Endkontrolle bei 4,2 % liegt. Das Six-Sigma-Team erstellt zunächst ein SIPOC, um den Fertigungsprozess auf oberster Ebene zu erfassen.

Vorgehen

  • Process: „Rohmaterial einlagern" → „Compound mischen" → „Extrudieren" → „Vulkanisieren" → „Endkontrolle" → „Verpacken".
  • Outputs: fertige Dichtringe, Prüfprotokolle, Ausschussware.
  • Customers: Automobil-OEM, interne Qualitätsabteilung, Lager/Logistik.
  • Inputs: Rohgummi-Granulat, Additive/Füllstoffe, Formwerkzeuge, Prozessparameter (Temperatur, Druck).
  • Suppliers: Gummi-Lieferant A, Chemie-Lieferant B, interner Werkzeugbau.

Ergebnis: Das Team hat in 20 Minuten einen gemeinsamen Überblick über den Prozess. Die identifizierten Inputs können direkt als Startpunkt für die C&E-Matrix verwendet werden.

Ergebnisse interpretieren

Ein SIPOC hat keine statistische Ausgabe — es ist ein qualitatives Werkzeug. Die „Ergebnisse" zeigen sich in der Vollständigkeit und Konsistenz der fünf Spalten.

Qualitätsprüfung

Alle 5 Spalten gefüllt: Der Prozess ist auf hoher Ebene vollständig beschrieben. Weiter zur C&E-Matrix oder einer detaillierten Prozessanalyse.

Process-Spalte hat mehr als 10 Schritte: Der Detaillierungsgrad ist zu hoch für ein SIPOC. Schritte zusammenfassen — ein SIPOC zeigt 5–8 Hauptschritte.

Suppliers oder Customers leer: Wesentliche Beteiligte fehlen. Frage: Wer liefert die Inputs? Wer empfängt die Outputs?

Outputs passen nicht zu Kundenerwartungen: Mögliche Lücke im Prozessverständnis. Mit einem VoC-CTx-Baum prüfen, was Kunden tatsächlich erwarten.

Typische Muster

  • Mehr Inputs als Outputs → Der Prozess transformiert und verdichtet — normal in Fertigungsprozessen.
  • Viele Suppliers für wenige Inputs → Lieferantenkonsolidierung könnte ein Verbesserungshebel sein.
  • Ein Output, viele Customers → Potenzial für widersprüchliche Anforderungen — VOC prüfen.

Stolperfallen

Zu viele Prozessschritte: Ein SIPOC soll den Prozess auf 5–8 Hauptschritte abstrahieren. Wer 15+ Schritte einträgt, erstellt ein Flowchart, kein SIPOC. Schritte zusammenfassen und Details in eine nachgelagerte Prozessanalyse verlagern.

Inputs und Outputs verwechselt: Inputs sind das, was IN den Prozess einfließt (Material, Informationen, Ressourcen). Outputs sind das, was der Prozess LIEFERT. Faustregel: „Brauche ich das, um den Prozess zu starten?" → Input. „Entsteht das durch den Prozess?" → Output.

Interne Kunden vergessen: Customers sind nicht nur externe Endkunden. Auch interne Abteilungen (QS, Lager, Buchhaltung) empfangen Prozessergebnisse. Alle Empfänger auflisten — das macht die spätere Anforderungsanalyse vollständiger.

SIPOC allein im Büro erstellt: Ein SIPOC sollte im Team erarbeitet werden — idealerweise mit Personen, die den Prozess täglich ausführen. Ein einsam erstelltes SIPOC spiegelt oft nur eine Perspektive wider und lässt blinde Flecken.

Keine Verbindung zu nachfolgenden Tools: Ein SIPOC ist kein Selbstzweck. Die identifizierten Inputs als Zeilen in der C&E-Matrix nutzen und die Customers als Grundlage für die Stakeholder-Analyse.

Prozessgrenzen unklar: Ohne klar definierten Start- und Endpunkt wird das SIPOC entweder zu groß oder zu vage. Vor dem Befüllen festlegen: Wo beginnt der Prozess (erstes Ereignis)? Wo endet er (letztes Ereignis)?

Beispieldaten

Dieses Modul wird mit den folgenden Beispieldatensätzen ausgeliefert — mit einem Klick in der App ladbar.

Verfügbar in folgenden Zyklen

  • DMAIC: Define
  • DMADV: Define
  • 8D: D2 — Problem beschreiben