Einzelwertdiagramm
Punktdiagramm jeder einzelnen Beobachtung pro Gruppe
Aufbau eines Einzelwertdiagramms
Ein Einzelwertdiagramm (engl. „Individual Value Plot") zeigt jede einzelne Beobachtung als eigenen Punkt. Anders als ein Boxplot, der die Verteilung zu fünf Kennzahlen zusammenfasst, bleibt jeder Messwert sichtbar. Das macht das Diagramm besonders nützlich bei kleinen bis mittleren Stichproben, bei denen ein Boxplot zu wenige Punkte zum Verdichten hat.
Punkt: Jeder Punkt entspricht genau einem Messwert. Die senkrechte Position zeigt den Wert auf der Y-Achse, die waagerechte Position ordnet den Punkt einer Gruppe (Kategorie) zu.
Jitter (waagerechte Streuung): Liegen mehrere Beobachtungen auf demselben Y-Wert, würden sie sich überdecken. Eine kleine zufällige Verschiebung in X-Richtung ("Jitter") trennt die Punkte optisch voneinander, ohne den Y-Wert zu verändern. Der Jitter dient nur der Lesbarkeit und hat keine inhaltliche Bedeutung.
Mittelwert-Raute: Eine Raute pro Gruppe markiert den arithmetischen Mittelwert. Sie hilft beim schnellen Vergleich der Lage über mehrere Gruppen hinweg.
Median-Strich (optional): Ein kurzer waagerechter Strich pro Gruppe kennzeichnet den Median. In Kombination mit der Mittelwert-Raute lässt sich Schiefe sofort erkennen: Liegen Mittelwert und Median weit auseinander, ist die Verteilung asymmetrisch.
Verbindungslinie der Mittelwerte (optional): Eine gestrichelte Linie verbindet die Gruppenmittelwerte und macht Trends über die Gruppen hinweg sichtbar — etwa wenn die Gruppen einer geordneten Größe (Schicht, Tag, Stufe) entsprechen.
Gesamtmittelwert (optional): Eine durchgehende waagerechte Linie zeigt den Gesamtmittelwert aller Gruppen. Sie ist als Referenz nützlich, wenn man auf einen Blick sehen möchte, welche Gruppen über und welche unter dem Gesamtniveau liegen.
Kurz: Punkte = Rohdaten, Raute = Mittelwert, optionaler Strich = Median, optionale Linien = Vergleichshilfen. Das Einzelwertdiagramm zeigt mehr Detail als ein Boxplot und ist die richtige Wahl, wenn du jeden Datenpunkt sehen willst.
Methodik
Das Einzelwertdiagramm ist ein deskriptives Werkzeug. Es nimmt eine numerische Spalte (Y) und ordnet jede Beobachtung einer Kategorie (X) zu — entweder über bis zu drei Gruppierungs-Spalten oder durch Vergleich mehrerer numerischer Spalten nebeneinander.
Wann sollte ich es verwenden?
- Stichprobengröße unter 50 pro Gruppe: Boxplots werden bei wenigen Punkten unzuverlässig, das Einzelwertdiagramm zeigt jeden Wert.
- Diskrete oder gerundete Daten: Häufungen auf wenigen Werten werden im Boxplot unsichtbar, im Einzelwertdiagramm direkt erkennbar.
- Vergleich mehrerer Gruppen mit Fokus auf einzelne Ausreißer.
- Vor dem Einsatz formaler Tests (t-Test, ANOVA), um die Plausibilität der Annahmen visuell zu prüfen.
Eingabemodi
- Mehrere Spalten: Jede ausgewählte numerische Spalte ergibt eine eigene Punktwolke. Ideal für den direkten Vergleich verschiedener Messgrößen.
- Gruppiert: Eine Werte-Spalte wird anhand einer Gruppierungs-Spalte (z. B. Maschine, Schicht, Lieferant) in Teilgruppen aufgeteilt.
- Verschachtelt (bis zu 3 Ebenen): G1, G2 und G3 wirken kombinatorisch — jede einzigartige Kombination der Gruppenwerte ergibt eine eigene Punktsäule (z. B. G1 = Schicht, G2 = Maschine → eine Säule pro Schicht-/Maschinen-Kombination). Die Säulenbeschriftung listet die Gruppenwerte durch „ | " getrennt.
Mittelwert: Arithmetisches Mittel aller Werte einer Gruppe. Empfindlich gegenüber Ausreißern.
Median: 50 %-Punkt der sortierten Werte. Robust gegenüber Ausreißern.
Standardabweichung: Wird im Tooltip angezeigt (n − 1 Nenner). Maß für die Streuung innerhalb einer Gruppe.
Praxisbeispiel
- Modul „Einzelwertdiagramm" öffnen.
- Werte-Spalte = „Reaktionszeit_ms", Gruppierungs-Spalte = „Woche" wählen.
- Optionen: Mittelwert-Raute aktiviert, Verbindungslinie der Mittelwerte aktiviert.
- Jede Woche erscheint als senkrechte Punktwolke; die gestrichelte Linie zeigt den Trend der Mittelwerte.
- KW 16 zeigt einen sichtbaren Sprung nach oben mit zwei einzelnen, deutlich höheren Werten.
Interpretation
Worauf achten?
- Lage der Punktwolke: Wo liegt der Schwerpunkt einer Gruppe relativ zu den anderen?
- Streuung innerhalb einer Gruppe: Eine breite vertikale Wolke bedeutet hohe Variabilität, eine eng zusammengedrängte Wolke geringe Variabilität.
- Häufungen: Mehrere Punkte auf demselben Y-Wert (sichtbar durch Jitter) deuten auf gerundete oder diskrete Messwerte hin.
- Lücken: Ein Bereich ohne Punkte innerhalb der Spannweite kann auf bimodale Daten oder eine fehlende Messstufe hindeuten.
- Einzelne Punkte abseits der Wolke: Mögliche Ausreißer — Ursache prüfen, nicht automatisch entfernen.
- Mittelwert vs. Median: Liegen die beiden weit auseinander, ist die Verteilung schief.
Stolperfallen
Beispieldaten
Dieses Modul wird mit den folgenden Beispieldatensätzen ausgeliefert — mit einem Klick in der App ladbar.