Histogramm

Häufigkeitsverteilung mit Boxplot und Statistik

Aufbau eines Histogramms

Ein Histogramm zeigt die Häufigkeitsverteilung einer numerischen Variable. Die Werte werden in gleich breite Klassen (Bins) aufgeteilt; die Höhe jedes Balkens entspricht der Anzahl der Beobachtungen in dieser Klasse. Es ist eines der wichtigsten Werkzeuge zur visuellen Charakterisierung eines Datensatzes.

Bins (Klassen): Die Anzahl der Balken bestimmt, wie fein die Verteilung aufgelöst wird. Zu wenige Bins verbergen Strukturen, zu viele erzeugen ein zerklüftetes Bild. Faustregel: ⌈√n⌉ oder die Sturges-/Freedman-Diaconis-Regel.

Häufigkeit vs. Dichte: Die Y-Achse zeigt entweder absolute Häufigkeiten (Anzahl) oder Dichten (relative Häufigkeit pro Klassenbreite). Die Dichte-Darstellung ist nötig, um eine theoretische Verteilungskurve zu überlagern.

Normalverteilungs-Kurve: Optionale Überlagerung einer Normalverteilung mit derselben Lage (μ) und Streuung (σ) wie die Stichprobe. Zeigt auf einen Blick, wie gut die Daten zur Glockenkurve passen.

Spezifikationsgrenzen: USL und LSL können als vertikale Linien eingeblendet werden. Damit lässt sich sofort einschätzen, ob die Verteilung innerhalb der Toleranz liegt — ein erster Schritt vor der formalen Cpk-Analyse.

Kurz gesagt: Ein Histogramm zeigt Lage, Streuung, Form und mögliche Ausreißer einer Stichprobe — und sollte am Anfang fast jeder datengetriebenen Analyse stehen.

Typische Formen

  • Glockenförmig, symmetrisch → Normalverteilung plausibel.
  • Rechtsschief (lange rechte Flanke) → typisch für Bearbeitungszeiten, Wartezeiten, Reaktionszeiten.
  • Linksschief → seltener, oft bei oberen Sättigungseffekten.
  • Zwei Gipfel (bimodal) → vermischte Populationen — z. B. zwei Maschinen, zwei Schichten — Daten stratifizieren.
  • Plateau / Rechteck → Gleichverteilung oder Mischung mehrerer Quellen mit ähnlicher Häufigkeit.
  • Kamm-Muster mit regelmäßigen Lücken → Rundung oder Messauflösung — Skala oder Messgerät prüfen.
  • Einzelne abgesetzte Balken weit außen → Ausreißer.
  • Verteilung an USL/LSL „abgeschnitten" → die Daten wurden vorab gefiltert oder das Messgerät hat eine Grenze.

Stolperfallen

Zu wenige Daten: Bei n < 30 ist die Form nur schwach belastbar. Zufällige Lücken können wie Bimodalität aussehen, glatte Glocken können trotzdem nicht-normal sein.

Bin-Anzahl manipuliert das Bild: Die gleiche Stichprobe sieht mit 5 oder 50 Bins völlig anders aus. Bei wichtigen Aussagen mehrere Bin-Anzahlen testen, bevor man sich auf eine Interpretation festlegt.

Histogramm ≠ Normalitätstest: Eine glockenförmige Form ist ein Indiz, kein Beweis. Vor Cpk- oder t-Test-Anwendungen mit einem Wahrscheinlichkeitsnetz oder einem formalen Test absichern.

Gemischte Populationen übersehen: Ein einzelner Gipfel kann durch zwei sehr nahe Mittelwerte entstehen. Wenn Stratifizierungsmerkmale vorliegen (Schicht, Maschine), die Daten getrennt darstellen.

Diskrete Daten in stetigem Histogramm: Zähldaten oder gerundete Werte erzeugen typische Lücken im Histogramm. Für diskrete Daten sind Balkendiagramme oder Pareto besser geeignet.

Beispieldaten

Dieses Modul wird mit den folgenden Beispieldatensätzen ausgeliefert — mit einem Klick in der App ladbar.

Bolzendurchmesser (fähig) — Datensatz
100 normalverteilte Messwerte um μ ≈ 10,00 mm mit σ ≈ 0,05 mm. Lehrbuch-Fall eines fähigen Prozesses.
Verschobener Prozess — Generator
Mittelwert außerhalb der Spezifikationsmitte (μ ≈ 10,08 mm) → niedriger Cpk trotz geringer Streuung.
Bimodaler Prozess — Datensatz
Mischung zweier Normalverteilungen um 9,93 und 10,07 mm. Die Normalverteilungs-Annahme der Cpk-Berechnung ist verletzt.
MSA Typ 1: fähiger Messprozess — Projektvorlage
25 Wiederholmessungen eines 10,0 mm Referenzteils (LSL 9,9 / USL 10,1, T = 0,2 mm). Sehr geringe Streuung, vernachlässigbarer Bias → Cg ≈ 3,8 und Cgk ≈ 3,8 weit über der 1,33-Schwelle. Lehrbuch-Fall eines fähigen Messmittels.
MSA Typ 1: grenzwertiger Messprozess — Projektvorlage
25 Wiederholmessungen mit moderater Streuung und leichtem positiven Bias. Cg ≈ 1,5 liegt knapp über, Cgk ≈ 1,0 knapp unter der 1,33-Schwelle — der Bias zieht die Fähigkeit nach unten. Klassischer Fall für die Bedeutung von Cgk neben Cg.
MSA Typ 1: nicht fähiger Messprozess — Projektvorlage
25 Wiederholmessungen mit hoher Streuung und deutlichem Bias. Cg ≈ 0,6 und Cgk ≈ 0,3 — das Messmittel verfehlt die Fähigkeitsgrenze deutlich. Lehrbuch-Fall für ein abzulehnendes Messsystem.
Box-Cox-I-MR-Karte: lognormale Standzeiten — Projektvorlage
50 lognormal-verteilte Standzeiten. Eine plain I-MR-Karte produziert wegen der Rechtsschiefe Fehlalarme. Nach Box-Cox-Transformation (λ ≈ 0) sind die Residuen wieder annähernd normal.
Bolzendurchmesser mit Ausreißern (Grubbs) — Projektvorlage
30 Bolzendurchmesser aus N(10,000; 0,050) mit zwei eingebauten Ausreißern bei 9,745 und 10,260 (≈ ±5σ). Grubbs (zweiseitig), Generalized ESD und Tukey-IQR sollten beide markieren.
Normalverteilung anpassen — Projektvorlage
80 Werte aus N(μ=10, σ=2) — sauberer Lehrcase einer Normalverteilung. Shapiro-Wilk / Anderson-Darling sollten H₀ nicht ablehnen.
Weibull-Lebensdauern anpassen — Projektvorlage
80 Bauteil-Lebensdauern aus Weibull(k=2,5; λ=100 h). Klassischer Verschleißfall (β > 1); Weibull sollte als beste Anpassung gelistet werden.
Lognormale Zykluszeiten anpassen — Projektvorlage
80 Zykluszeiten aus Lognormal(μ_log=ln 5; σ_log=0,6) — stark rechtsschief. Distribution-fit sollte Lognormal an die Spitze setzen.
Exponentielle Wartezeiten anpassen — Projektvorlage
80 Wartezeiten aus Exponential(μ=15 min) — gedächtnislose Verteilung. Exponential und Gamma stehen an der Spitze der Anpassung.