Ishikawa 6M

Ursachenanalyse mit 6M-Kategorien und Expertenbewertung

Aufbau eines Ishikawa-Diagramms

Das Ishikawa-Diagramm (auch Fishbone-Diagramm oder Ursache-Wirkungs-Diagramm) sammelt mögliche Ursachen für ein definiertes Problem strukturiert nach Hauptkategorien. Es ist eines der Standard-Werkzeuge der Analyze-Phase und entsteht typischerweise im Team-Workshop.

Wirkung (Kopf des Fisches): Das Problem oder die Abweichung, deren Ursachen gesucht werden — z. B. „Maßabweichung > 0,1 mm", „Lieferverzug > 2 Tage". Wird ganz rechts als „Kopf" notiert.

Hauptgräten (Kategorien): Die großen Diagonal-Linien — die klassischen 6M sind: Mensch, Maschine, Methode, Material, Mitwelt (Umfeld), Messung. Im Dienstleistungsbereich werden oft die 6P verwendet (People, Process, Place, Product, Procedures, Policies).

Ursachen (Nebengräten): Konkrete potenzielle Ursachen, die an die jeweilige Hauptgräte angehängt werden. Eine Ursache kann weiter aufgegliedert werden — daraus ergeben sich Tertiär-Gräten.

Tiefe (Detaillierungsgrad): Mehrstufige Gräten erlauben es, durch wiederholtes „Warum?" tiefer zu graben. Drei Ebenen reichen meist aus — alles darunter wird unübersichtlich. Für tiefere Wurzelursachen-Analyse das 5-Why-Modul nutzen.

Das Ishikawa ist kein Beweis-Werkzeug — es ist eine strukturierte Sammlung von Hypothesen. Welche Ursachen tatsächlich relevant sind, wird anschließend mit Daten geprüft (C&E-Matrix, Hypothesentests, DOE).

Vorgehen

  • Wirkung präzise formulieren — eine konkrete, messbare Abweichung, kein vages Ziel.
  • Hauptkategorien wählen: 6M für Fertigung, 6P für Service, oder eigene passende Kategorien.
  • Im Workshop alle Beteiligten zu Wort kommen lassen — Brainstorming ohne Bewertung.
  • Ursachen pro Kategorie sammeln — erst quantitativ, dann ordnen.
  • Bei wichtigen Ursachen mit „Warum?" weiter aufgliedern, bis eine konkrete Wurzel sichtbar wird.
  • Die priorisierten Ursachen in die C&E-Matrix übertragen oder direkt mit Hypothesentests prüfen.

Stolperfallen

Wirkung zu vage: „Qualität schlecht" lässt sich nicht analysieren. Eine messbare, abgrenzbare Wirkung formulieren — dann werden auch die Ursachen konkret.

Symptome statt Ursachen: „Maschine fällt aus" ist eine Wirkung, keine Ursache. Mit „Warum fällt sie aus?" weiter graben — bis eine technisch oder organisatorisch beeinflussbare Ursache sichtbar wird.

Kategorie 6M wird zur Pflichtübung: Wenn jede Kategorie zwanghaft mit Ursachen befüllt wird, entstehen sinnlose Einträge. Lieber bewusst leer lassen, als künstlich Material für „Mensch" zu erfinden.

Hypothesen werden zu Fakten: Was im Ishikawa steht, ist eine Vermutung. Bevor Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet werden, mit Daten prüfen — sonst werden viel Geld und Zeit für Scheinursachen ausgegeben.

Allein erstellt: Ishikawa lebt von verschiedenen Perspektiven. Operatoren, Instandhaltung, Qualität und Engineering im selben Workshop bringen oft Ursachen ans Licht, an die niemand allein gedacht hätte.

Übermäßige Tiefe: Mehr als drei Ebenen werden unübersichtlich. Wer tiefer graben will, sollte für die wichtigen Stränge ein eigenes 5-Why-Modul aufmachen.

Beispieldaten

Dieses Modul wird mit den folgenden Beispieldatensätzen ausgeliefert — mit einem Klick in der App ladbar.

Verfügbar in folgenden Zyklen

  • DMAIC: Analyze
  • DMADV: Analyze
  • 8D: D4 — Ursachenanalyse