Verteilungstests
Datensatz auf verschiedene Verteilungsfunktionen testen und nach Güte ranken
Methodik
Die Verteilungstests (Distribution Fitting) prüfen, welche statistische Verteilung am besten zu einem gegebenen Datensatz passt. Das Modul testet 7 Verteilungen: Normal, Log-Normal, Weibull, Exponential und Gamma (stetig) sowie Poisson und Binomial (diskret).
Ablauf
- Datentyp erkennen: Auto-Erkennung (ganzzahlig → diskret, sonst stetig) oder manuelle Wahl
- Parameterschätzung: Maximum-Likelihood / Momentenmethode für jede Verteilung
- Goodness-of-Fit: Kolmogorov-Smirnov (stetige) bzw. Chi²-Anpassungstest (diskrete)
- Ranking nach p-Wert: höchster p-Wert = beste Anpassung
- Normalitäts-Tiefenanalyse: Shapiro-Wilk, Anderson-Darling, Jarque-Bera, D'Agostino-Pearson
Getestete Verteilungen
| Verteilung | Typ | Parameter | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|
| Normal | Stetig | μ, σ | Maße, Toleranzen, natürliche Variation |
| Log-Normal | Stetig | μ_log, σ_log | Zykluszeiten, Einkommen, Partikelgrößen |
| Weibull | Stetig | k, λ | Lebensdauer, Ausfallanalyse |
| Exponential | Stetig | λ | Wartezeiten, Ausfallraten |
| Gamma | Stetig | α, β | Wartezeiten, Aggregierte Poissonprozesse |
| Poisson | Diskret | λ | Fehleranzahl, Ereignisse pro Zeiteinheit |
| Binomial | Diskret | n, p | Pass/Fail, Ausschussrate |
Beispiel
Ein Fertigungsprozess produziert Zykluszeiten in Sekunden. Die Daten zeigen eine Rechtsschiefe — typisch für Log-Normal-Verteilungen.
- Datensatz laden (Beispiel: Zykluszeiten)
- Analyse starten → Ranking zeigt Log-Normal als Best Fit
- K-S-Test p-Wert > 0.10 → Verteilung passt gut
- Normalitäts-Tiefenanalyse zeigt, dass Normal abgelehnt wird
Ergebnis: Für Regelkarten und Fähigkeitsanalysen sollten die Daten log-transformiert werden, bevor Standardmethoden angewendet werden.
Interpretation
p-Wert-Bewertung
| p-Wert | Bewertung | Empfehlung |
|---|---|---|
| ≥ 0.10 | Gut | Verteilung passt — nicht verwerfen |
| 0.05 – 0.10 | Grenzwertig | Mit Vorsicht verwenden, größere Stichprobe empfohlen |
| < 0.05 | Schlecht | Verteilung passt nicht — verwerfen |
Normalitäts-Konsens
Das Modul führt vier spezialisierte Normalitätstests durch und bildet ein Konsens-Urteil. Shapiro-Wilk ist der Goldstandard für kleine Stichproben, Anderson-Darling ist besonders empfindlich in den Verteilungsrändern, Jarque-Bera ist ein asymptotischer Test basierend auf Schiefe und Kurtosis (ideal für n > 30), und D'Agostino-Pearson zeigt, warum Normalität scheitert (Schiefe vs. Kurtosis).
Häufige Fehler
- Zu kleine Stichprobe: GOF-Tests haben geringe Power bei n < 30. Ein nicht-signifikantes Ergebnis bedeutet nicht, dass die Verteilung passt.
- Mehrfachtests: 7 Verteilungen werden parallel getestet — der Best Fit kann zufällig gut aussehen. Immer die fachliche Plausibilität prüfen.
- Datentyp ignorieren: Poisson/Binomial nur für ganzzahlige Zähldaten sinnvoll. Stetige Daten nicht als diskret testen.
- p > 0.05 ≠ Beweis: Ein hoher p-Wert beweist nicht, dass die Verteilung korrekt ist — er sagt nur, dass die Daten nicht dagegen sprechen.
- Ausreißer: Einzelne Extremwerte können die Parameterschätzung stark verzerren. Daten vorher auf Ausreißer prüfen.
Beispieldaten
Dieses Modul wird mit den folgenden Beispieldatensätzen ausgeliefert — mit einem Klick in der App ladbar.
Verfügbar in folgenden Zyklen
- DMAIC: Analyze
- DMADV: Analyze
- 8D: D4 — Ursachenanalyse